Aus dem Leben eines Entlebucher Sennenhundes

Moin,

ich bin Cuddel. Ich bin ein Entlebucher Sennenhund und mit Vor- und Nachnamen heiße ich Cuddel ut de Entlebucher Kinnerstuuv. Ich bin am 19. Dezember 2015 im hohen Norden Deutschlands, nämlich in Neumünster geboren. Deshalb darf ich auch den ganzen Tag „moin“ sagen. Wir sind eine internationale Familie, denn die Entlis kommen eigentlich aus der Schweiz, meine Mama Imka uit’t Hollandse Entlinest, der Nachname sagt es, aus den Niederlanden und mein Papa Cognac vom Spechtwald aus Deutschland. Meine Mama hatte es ganz schön schwer, denn ich habe noch 5 Brüder und 2 Schwestern. Und die ersten Zweibeiner, die ich kennenlernte, haben erzählt, dass wir eine ziemlich lebhafte und sehr hungrige Rasselbande waren. Wie ich damals aussah, könnt Ihr hier sehen.

Als ich 10 Wochen alt war durfte ich plötzlich nicht mehr mit meinen Geschwistern spielen oder meine Mama ärgern, und da war ich sehr traurig. Und dann kamen da auch noch so komische Zweibeiner und wollten mich unbedingt auf den Arm nehmen und mit mir kuscheln, überhaupt nicht mein Ding. Nach einer langen Autofahrt, auf dem Schoß von meinem neuen Frauchen, stand ich irgendwo ganz woanders, nicht mehr bei meinen Kumpels und alles war neu und ungewohnt. Aber ich bin ja ein richtiger Entlebucher, und bei Entlebuchern ist die Neugier immer größer, als die Angst. Also habe ich alles erkundet und es stellte sich heraus, dass es auch hier leckeres Fressen und eine bequeme Höhle zum Schlafen gab.

Und dann war da auch noch ein großer Garten, viel größer als bei Mama. Na, den habe ich erst Mal umgegraben und aus dem grünen Rasen einen schönen, braunen Acker gemacht.

Ein paar Wochen und eine Tollwutimpfung später musste ich wieder lange mit dem Auto fahren, dieses Mal in meiner neuen Hundebox. Als wir ausgestiegen sind, war alles ganz komisch und unheimlich: Wir waren auf einer riesigen Fähre. Da konnte man sogar auf einem bequemen Kissen schlafen. Nur mit dem kleinen und großen Geschäft, das war nicht so toll. Am nächsten Morgen, nach einer ganz kurzen Autofahrt waren wir wieder in einem neuen Zuhause, nämlich auf der Insel Tjörn. Hier konnte ich dann nach Herzenslust den ganzen Tag toben und rennen, so viel ich wollte. Und die Felsen rauf und runter, wie das wohl auch meine Vorfahren in der Schweiz gern gemacht haben. Und sogar schwimmen habe ich gelernt. Hier in den schwedischen Schären würde ich gern das ganze Jahr bleiben, aber das geht leider nicht, haben meine Zweibeiner gesagt.

Zu Hause in Rheda-Wiedenbrück ist es aber auch ganz schön. Ich wohne hier zusammen mit meinen Zweibeinern in einem großen Haus mit noch größerem Garten. In dem darf ich jeden Tag mit der Frisbee und mit Bällen, Stofftieren oder Stricken spielen. Leider geht die Frisbee so schnell kaputt – ich kann ganz bestimmt nichts dafür, Ehrenwort! Und der Rasen hat vom Rennen auch gelitten – Acker finde ich sowieso schöner. Am schönsten ist aber, dass wir ganz in der Nähe eine riesig große Hundewiese haben. Die liegt direkt an der Ems und man kann herrlich reinspringen und schwimmen. Mein Herrchen hat mir extra einen Spielzeug-Leuchtturm gekauft, der schwimmt aufrecht im Wasser und man kann ihn prima sehen und aus dem Wasser holen. Manchmal sind da auch andere Hunde und wenn Herrchen meint ich sei genug geschwommen, dann spiele ich einfach mit denen. Ab und zu fahren wir auch kurz mit dem Auto weg. Dann darf ich auf schönen Waldwegen ohne Leine herumlaufen. Ich bleibe auch immer schön auf den Wegen, damit Herrchen mich weiter frei laufen lässt.

Irgendwann ging es dann zum ersten Mal auf eine Ausstellung. Puh, waren da viele Kollegen. Nur mit keinem durfte man spielen. In die Runde laufen sollte ich, so was von laaangweilig. Dann war da auch noch ein Zweibeiner, der mich ganz genau angesehen und abgetastet hat, sogar meine Kronjuwelen. Aber hinterher hat er zu meinem Frauchen gesagt, dass ich ein besonders schöner Entlebucher Sennenhund sei und sie gut auf mich aufpassen soll.

In den nächsten Monaten und Jahren kamen dann noch viele Ausstellungen und, was immer am schönsten war, ganz viele Urlaube auf der Insel Tjörn. Und weil ich auf diesen Ausstellungen immer so schön ausgesehen habe und toll in die Runde gelaufen bin – meine Zweibeiner sind da ganz anderer Meinung – bin ich zuerst Jugendchampion VDH und  Jugendchampion SSV, danach auch noch Schwedischer Ausstellungschampion (svensk utställningschampion) geworden. Im Moment muss ich wieder ganz viel üben, sie haben gesagt, das sei für die Zuchtzulassungprüfung. So ein schweres Wort, da hört sich Körung doch viel einfacher an. Und dann haben sie noch gesagt, dass ich später Freundinnen haben und für kleine Entlebucher sorgen darf. Aber zuerst muss ich die Prüfung bestehen. Na, bei den Aussichten streng ich mich mal ganz besonders an.

Am 24. November 2018 war es endlich so weit. Nach ganz vielen Übungsabenden in Hamm und Dortmund und noch viel mehr Übungen zu Hause sind meine beiden Zweibeiner freitags abends schon ganz früh ins Bett gegangen, aber viel geschlafen haben sie trotzdem nicht. Sie haben gesagt, sie wären so aufgeregt gewesen. Am Samstag musste ich dann richtig früh aufstehen. Nach dem Frühstück bin ich noch im Dunkeln ziemlich lange spazieren gegangen und mein Frauchen hat mich ganz oft über die Hundewiese gescheucht. Damit ich müde werde, hat sie gesagt. Dabei war ich doch noch so müde. Nach der Fahrt nach Dortmund haben sie mich wieder gescheucht, ich musste immer wieder ganz weit zwischen den beiden hin und her laufen. Anschließend war wieder Warten im Auto angesagt. Da waren noch viele Kumpels, die auch allein im Auto warten mussten, das habe ich gehört. Irgendwann war ich an der Reihe. Den Platz kannte ich ja schon. Zuerst sollte ich in einen Pavillon ganz am Rande. Da wurde ich gemessen und abgetastet, mir wurde tief in die Augen gesehen und meine Zähne inspiziert. Als das alles fertig war, hat es ordentlich angefangen zu regnen, eiskalt war es sowieso, also richtiges Schietwetter. Und ich sollte so lange vor dem zweiten Pavillon mitten auf dem Platz ruhig stehen. Das machte gar keinen Spaß. Und so wurde aus dem Laufen beim ersten Mal auch nichts. Aber dann haben mein Frauchen und ich den beiden Richterinnen so richtig gezeigt, was ein Entlebucher drauf hat. Auch von den optischen und akustischen Reizen habe ich mich nicht beeindrucken lassen. Im Gegenteil, da kam richtig Schadenfreude auf, dass der Mann bei +2 Grad so lange im strömenden Regen stehen musste. Ja, und bei den vielen Menschen, die durcheinander liefen und eine enge Gasse bildeten und gaaanz dicht um mich herum standen habe ich mich einfach an Frauchen orientiert, denn da kann man nichts falsch machen. Zum Schluss haben die vielen Menschen ganz laut geklatscht und die Richterin hat meinem Frauchen die Hand gegeben und gratuliert und gesagt, dass ich angekört sei und ein ganz toller Entlebucher bin. Das letzte haben die Zweibeiner mal wieder nicht gehört, aber ich mit meinen viel besseren Ohren …
Jetzt bin ich mal auf die schönen Entlebucherinnen gespannt.